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Kleiner Geschichtlicher Abriß

Der Mannheimer Lido

Baden in Flüssen war in Mannheim schon immer ein beliebtes Vergnügen. Bereits 1778 verfasste der Mannheimer Arzt Dr. Franz Anton Mai ein „Sendschreiben“ über den Gebrauch und Missbrauch der im Jahr zuvor offiziell gegründeten Mannheimer Rheinbäder.

Deshalb hat bereits 1912 der Bürgerausschuss den Bau des Strandbades angeregt. Prominentes Mitglied dieses Bürgerausschusses war damals beispielsweise Carl Reis. Gemäß Stadtratsbeschluss vom 29. Oktober 1925 wurde beschlossen, dass zwischen Kilometer 249 und 250 ein neuer Uferbau mit einer neuen Kronenbreite von 10 Meter aus Betonplatten erstellt wird.

Die wasserpolizeiliche Genehmigung wurde bereits im Frühjahr 1921 eingereicht und im Juni 1923 erteilt. Die errechneten „12.380 Tagwerke“ sollten als so genannte „kleine Notstandsarbeit“ durch Erwerbslose geleistet werden.

Geprüft wurden zuvor Flächen an Neckar und Rhein. Man hielt die Fläche zwischen km 249 und 250 für geeignet, weil dort Kiesablagerungen, also klares Wasser, waren und die größte Strömung auf der gegenüberliegenden Seite des Ufers war. Die Entfernung zwischen den Endhaltestellen Lindenhof und Neckarau und dem geplanten Strandbad waren etwa 40 Gehminuten.

Die Bildung des Badestrandes war so vorgesehen, dass der bestehende etwa 5 Meter über Pegel liegende und nur mit Ufersteinen roh angelegten Uferbau zwischen Kilometer 249 und 250 abgetragen und an seiner Stelle ein neuer Uferbau erstellt wurde, der bei km 249 in einem flachen Bogen vom alten Bau abschwenkt, bei km 249,5 seine größte Entfernung vom alten Bau mit 50 m erhält, um schließlich bei km 250 wieder in den alten Uferbau einzumünden. In der Mitte des Badestrandes sollte die Krone platzartig erweitert und durch einen 4 m breiten Weg mit dem verlängerten Franzosenweg verbunden werden. Das abfallende Ufer sollte treppenartig betoniert werden.

Nach der Anschüttung des neuen Uferbaues mit Kippwagen, wurde die dahinter liegende Fläche bis 1928 um etwa 100 Meter platzartig zurückgelegt und erweitert. Dazu musste die Fläche mit sehr viel Material und Mutterboden von der Kollerinsel durch die Firmen Volz und Gebr. Kief aufgefüllt werden.

Es wird von rund 25.000 Personen im gleichen Jahr an einem heißen Tag berichtet, die das Strandbad, meistens per Boot und Fahrrad, aufsuchten. Es gab in den Zwanzigern schon 2 Restaurants, übriges privat finanziert, weil die Stadt sich nicht dazu in der Lage sah, unter denen sich die Umkleidekabinen, die jedes Jahr wieder neu eingebaut werden mussten, befanden. Entlang der Front zum Strom waren Verkaufsstände.

Die Pächter der beiden Strandbadrestaurants beschwerten sich gegenüber der Neuen Mannheimer Zeitung, dass in den Abendstunden nach Badeschluss das zahlungskräftige Publikum ferngehalten wird, weil kein Auto über den Damm hinaus vordringen durfte. Man regte dann an, Autobusse der damaligen OEG durchzulassen. Durch den Waldpark wurde dann ein gesonderter Fahrradweg als Notstandarbeit geschaffen.

Die Ordnung wurde durch städtisches Aufsichtspersonal beobachtet. Diese hatten auch den Strand von allem Unrat zu säubern und die freiwillige Sanitätskolonne Neckarau unter der Leitung von Dr. med. Sauer tat an Sonntagen und bei Hochbetrieb Dienst. Es kam auch immer wieder häufig nicht nur am Strandbad zu Badeunfällen. In den Jahren 1927 bis 1936 werden in Mannheim 4.000 Lebensretter ausgebildet.

Es wurde immer wieder am Strandbad weitergebaut. Es wurde das hinter dem Bad liegende Rheinvorland weiter mit etwa 33.000m³ Auffüllboden und 7.000 m³ Mutterboden aufgefüllt. Der bis dahin noch nicht befestigte Dammweg wurde auf 10 Meter Breite mit Betonplatten befestigt. Die Einfriedungen wurden zur Verbreiterung der Liegewiesen weiter zurückgesetzt. Es wurde mit „Notstandsarbeiter-Tagwerken“ ein Teil der Kosten finanziert.

Am 12. Juni 1931 wurde die neue geteerte Autostraße dem Verkehr übergeben. Zusätzlich wurde der Autoverkehr zum Waldparkrestaurant „Stern“ genehmigt. Die heutige Steubenstraße war übrigens damals auf 40 Meter Breite angelegt.

Am 21. August 1932 waren 40.000 Besucher am Strandbad, der Rekord vom 15. Juni 1930 mit 30.000 Besuchern gebrochen. Auf jeden Meter Strand kamen 40 Menschen! Es wird berichtet, dass 873 Kraftfahrzeuge abgestellt wurden und der Parkplatz zu klein sei. Die schönen kanadischen Pappeln wurden im gleichen Jahr gepflanzt.

Nach dem II. Weltkrieg dauerte es eine ganze Weile, bis 1949 das verwüstete Strandbad wieder eröffnet wurde. Die Buslinien verkehrten zunächst nur samstags und sonntags und die Motorboote Lohengrin und Saarpfalz fuhren wieder vom Lindenhof zum Strandbad. Der Pfingstmontag brachte 5.000 Besucher, die Rekordzahl an einem Sonntag 32.000.

Oberbaudirektor Elsässer sprach damals auf der Strandpromenade über die Bedeutung des Mannheimer Strandbades für die Bevölkerung. Mit der Herstellung der Anlage 1927 habe man die Absicht verfolgt, der Bevölkerung einen kostenlosen Badestrand zur Verfügung zu stellen.

Diese Maßnahme, so sagte er, habe sich als sehr segensreich erwiesen, denn Hunderttausende finden hier im Laufe der Sommermonate Erholung. Die hohen Besuchsziffern zeigten dabei deutlich, wie sehr das Strandbad zu einem Teil der Stadt Mannheim geworden sei. Obwohl das Wohnungsprogramm an erster Stelle stehe, sei die Wiederherstellung des Strandbades durchaus vertretbar, da er heute, viel mehr noch als früher, zum Ferienaufenthalt aller derjenigen werde, denen die Mittel fehlen, eine Urlaubsreise anzutreten. Weiter berichtet er, dass die 2 Restaurants in die Obhut von Pächtern gegeben worden seien, die sich bemühen werden, die Restaurants im Laufe der Zeit in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.

Die vielen Händler an den Ständen verkauften damals von der Badehose bis zur Parfümflasche, von der Bockwurst bis zum Liegestuhl alles. Auch wurde der Parkplatz um die Eineinhalbfache Größe erweitert. Die Älteren Mannheimer können sich sicherlich noch erinnern.

1955 wird diskutiert, dass ein Strandbad und zwei Rhein-Freibäder auf dem Lindenhof nicht ausreichen. Der Pfingstbergweiher wird als Puhlloch, -Seuchengefahr-, beschrieben. Ein „Köppchen“ könne man in das idyllisch gelegene „Dreckloch“ –„Baden verboten“ - zwischen Rheinau und Neckarau machen. Der Stollenwörthweiher sieht noch nicht wirklich gastlich aus. Das Herzogenriedbad soll 1956 eröffnet werden.

Es wird das Schwimmbad von Ilvesheim ebenso wie Ladenburg als herrliches Schwimmbad mit großem Becken und weiträumiger Liegewiese gepriesen. Weitere hübsche Schwimmbäder sind in Schriesheim und Bürstadt. Die Stadtverwaltung wird kritisiert, dass die Bürgermeister der Umlandgemeinden wohl besser wüssten, was dem Bürger frommt. Als Fernziel wird ein Freibad in jedem größeren Stadtteil von der Stadtverwaltung genannt.

Durch die zunehmende Verschmutzung des Rheins und des Verkehrs auf dem wurde in den Siebzigern das Baden verboten. Es wurde weiterhin halt trotzdem gebadet, ob verboten oder nicht. Mancher hänge sich immer noch todesmutig an die bergwärts fahrenden Schiffe. Der damalige Stadtrat Robert Dussel erfand als erfundene Berufbezeichnung der verbliebenen Schwimmmeister am Strandbad: Luftbademeister.

Und beinahe wäre aus dem Strandbad ein Thermalbad geworden: Der Wünschelrutengänger Gottfried Mayer wollte in 400 Metern Tiefe unter dem Strandbad eine warme Wasserader entdeckt haben.


Wolfgang Taubert, Stadtrat vom Verein Geschichte Alt-Neckarau e.V.