
Herrn
Oberbürgermeister Gerhard Widder
Rathaus E, 5
68159 Mannheim
07.06.2004
Strandbad-Gastronomie
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die im Mannheimer Morgen veröffentlichten Pläne zur künftigen Strandbad-Gastronomie mit 800 Sitzplätzen bereiten uns große Sorgen. Nach den Informationen, die der Artikel bot, halten wir sie für nicht tragbar.
Die wesentlich größer als bisher ausfallende Bewirtschaftung zieht auch wesentlich mehr Verkehr nach sich. Schon jetzt aber ist der Parkraum nicht ausreichend.
Die vorgesehenen Strandbadfeste werden das Verkehrsaufkommen vor allem in den Abend- und Nachtstunden erhöhen.
Die erweiterte Gastronomie verringert die Fläche für die Erholungssuchenden, die sich unabhängig von den gastronomischen Angeboten am Strandbad aufhalten wollen.
Die Zunahme des Verkehrs und die über den Tag wie auch das Jahr zeitlich erweiterte Betriebstätigkeit ver-ursachen auch wesentlich mehr Lärm, der sich sowohl negativ für die Anwohner an den Zufahrtswegen wie auch für die das Strandbad umgebende Natur auswirkt. Ebenso betroffen sind diejenigen, die sich im Wald-park oder den angrenzenden Naturschutzgebieten in Ruhe erholen wollen.
Es ist schwer vorstellbar, daß der Stifter der Reißinsel, Consul Carl Reiß, die vorliegende Planung mit den absehbaren Folgen für „seine Fasaneninsel“ gutheißen würde. Es ist z.B der Stadt schon jetzt nicht mehr möglich, das NSG „Bei der Silberpappel“ aufgaben- und naturschutzgemäß zu betreuen.
Wir fragen uns, wozu die Stadt Mannheim die „Agenda21-Fahne“ hochhält, die Charta von Aalborg unter-schreibt und ein Agenda-Büro unterhält, wenn ohne Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung und ohne die in diesem Falle einzubeziehenden Umweltorganisationen solche Entscheidungen getroffen werden. Den An-sprüchen an eine bürgernahe Politik gerecht zu werden, bedeutet nach unserer Auffassung, daß für das hier geplante Vorhaben realisierbare Konzepte zu lärm- und verkehrsbegrenzenden Maßnahmen sowie zur Ver-meidung von Belastungen der Menschen und der Umwelt entwickelt, vorgelegt und durchgesetzt werden müssen.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wir halten es für dringend notwendig, daß Sie sich persönlich ein Bild über die Situation an einem schönen Wochenende, wie z.B. dem vergangenen, vor Ort machen, bevor Sie im Gemeinderat dieses Vorhaben zur Abstimmung bringen.
Mit freundlichen Grüßen
Arnold Cullmann
BUND Kreisgruppe Mannheim
Kopie an die Gemeinderäte der Stadt Mannheim und an die Presse
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