Rettet das Strandbad  
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Presse
 
   

 
Presse Okt. Nov. Dez. 2006

 

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Lindenhof Aktuell Nr. 10

Zukunft des Strandbades ungewiss

(ma) - Die Zukunft des Neckarauer Strandbades ist immer noch nicht geklärt - und das, obwohl der Gaststättenbetrieb zum Stadt Jubiläum 2007 eigentlich wieder aufgenommen werden sollte. Nach vielem Hin und Her hat die Stadt mit einer neuen Ausschreibung erst einmal einen Schlussstrich unter die Diskussionen um die zukünftige Gestaltung der Gaststätte gezogen. Aber der Streit geht weiter...

Bereits seit 2005 ist das zweistöckige Gebäude aus Sicherheitsgründen geschlossen. Wunschkandidat der Stadt als neuer Betreiber war die Eichbaum Brauerei. Doch deren Pläne trafen von Anfang an bei vielen Bürgern auf wenig Gegenliebe. In zwei Gutachten ließ Eichbaum die Bausubstanz des 80 Jahre alten Gebäudes prüfen - mit dem Ergebnis, dass es nicht wirtschaftlich saniert werden könne. Also Abriss und stattdessen ein »Restaurant« aus zusammengestellten Containern. Schnell machten sich unter den Mitgliedern der Initiative »Freunde des Strandbads« und der Lokalen Agenda 21 Zweifel über die Richtigkeit der Gutachten breit. Vor allem die Tatsache, dass die Gutachten nie veröffentlicht wurden und lediglich zwei Schreiben von Ingenieurbüros vorlagen, machte stutzig. Viele Strandbadbesucher wollten sich jedoch mit dem inzwischen drohenden Abriss des 1927 eingeweihten Gebäudes nicht so einfach abfinden und formierten sich zu einer neuen Bürgerinitiative um den Neckarauer Günther Kirchner. Ihre zentrale Forderung: Der Erhalt der zwar vernachlässigten, aber noch stehenden Gaststätte mitsamt Terrasse. Sehr schnell sammelten sie rund 1500 Unterschriften und übergaben sie OB Gerhard Widder. Außerdem wurden zwei weitere mögliche Investoren vorgeschlagen: Die WeIde-Brauerei und Fody's Company.

Das Ende vom Lied: aus dem von Eichbaum schließlich neu vorgelegten Gutachten las die Stadt schließlich heraus, dass eine wirtschaftliche Sanierung und der Erhalt des Gebäudes doch nicht unmöglich seien. . . schlussendlich schrieb die Stadt die Suche nach einem Investor neu aus.

So weit so gut. Mit dieser Entscheidung des OB das Ziel erreicht? - doch weit gefehlt. Während die Bürgeraktion um Günther Kirchner die Neuausschreibung als »unerwartete und mutige Entscheidung zugunsten des Juwels Strandbad« bezeichnet, zeigen sich die »Freunde des Strandbads« über die Entscheidung verärgert. »Mit der Neuausschreibung ist die Öffnung einer Gastronomie am Strandbad in weite Ferne gerückt«, so Karl-Ludwig Walzel. Günther Kirchner sieht das nicht ganz so pessimistisch und fordert die Verwaltung auf, ein »offenes Verfahren« einzuleiten, das die Bürger »angemessen beteiligt«. Doch anstatt sich nun gemeinsam für die eigentlich gleichen Ziele stark zu machen, scheint man jetzt die Kräfte darauf zu verschwenden, sich gegenseitig anzufeinden. Als »rückwärtsgewandtes Messerwetzen« bezeichnet Kirchner die negative Beurteilung der Entscheidung durch die »Freunde des Strandbads«, die weiterhin an ihren Forderungen festhalten: u. a. mit der Forderung nach Erhalt des Strandbads in seiner ursprünglichen Tradition. Walzel hingegen findet die Angriffe Kirchners absurd und betont, die Initiative sei nicht mit den Angriffen einer »selbsternannten Bürgeraktion« zu treffen.

Für die Bürger im Süden Mannheims bleibt da nur zu hoffen, dass sich die Beteiligten wieder auf ihre ursprünglichen Ziele konzentrieren und gemeinsam an einem Strang ziehen.
 

01. 12. 2006 

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MM-Titel
Leserforum

Dornröschenschlaf
Zum Thema: Strandbad

Geisterkulisse
In die Pläne mit der Gastronomie am Neckarauer Strandbad ist in
der vergangenen Woche wieder Bewegung gekommen.
Bild: Tröster

Leider ist das eingetreten, was die Bürgerinitiative "Freunde des Strandbads" befürchtet hatte. 2007 - im Jahr des Stadtjubiläums - passiert am Strandbad nichts. Die Frage stellt sich nun, wer dafür verantwortlich ist.

Erstens: Das verantwortliche Dezernat der Stadtverwaltung, das es überhaupt erst dazu hat kommen lassen. Hätte man früher die Pachteinnahmen nicht in den Löchern des Stadtsäckels versickern lassen, wäre genügend Geld für den laufenden Unterhalt des Gebäudes vorhanden gewesen, und der jetzige traurige Zustand wäre gar nicht erst eingetreten.

Zweitens: Die Eichbaum AG, die weder in der Lage war, ihr Pavillon-Konzept den Bürgern bei diversen Veranstaltungen "zu verkaufen", noch für den von vielen geforderten Erhalt der Stützenkonstruktion oder den von ihnen bevorzugten Abriss ein vergleichendes und tragfähiges Gutachten abzuliefern.

Schade, Schade, wir befürchten, dass – wenn die Jubel-Jahr-Feiern vorbei sind – das Strandbad in einen ewigen Dornröschenschlaf versinken wird. Bleibt zu hoffen, dass die Stadtverwaltung aus ihren diversen Debakeln gelernt hat, und die Bürger beim neuerlichen Mischen der Karten beteiligt. Von der neuen Ausschreibung haben wir jedenfalls bis jetzt noch nichts gesehen.

Karl-Ludwig Walzel,
Sprecher der Bürgerinitiative "Freunde des Strandbads"
 

24. 10. 2006 

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MM-Titel

Protestwelle spült Planungen am Strandbad weg
Stadt schreibt die Gastronomie neu aus / Vertrautes Gebäude soll erhalten werden

Geisterkulisse
 Seit Jahren gammelt die Gaststätte am
Strandbad vor sich hin. Bild: Rittelmann

Nach massiven Protesten von Neckarauer Initiativen gegen die geplante Neugestaltung des Strandbades hat sich die Stadt für einen neuen Anlauf entschieden. Der Betrieb der Gaststätte wird wieder ausgeschrieben, gesucht werden Investoren, die eine "volksnahe Gastronomie" in dem Gebäude, dessen Struktur erhalten werden soll, betreiben wollen. Interessenten werden allerdings Geld in die Sanierung des Gebäudes stecken müssen. Die Gaststätte steht seit vier Jahren leer und verfällt allmählich. Strittig ist, ob die Bausubstanz eine Renovierung überhaupt erlaubt.

Unklar ist auch, ob sich die Eichbaum Brauereien AG erneut an einer Ausschreibung beteiligen. Das Unternehmen hatte nach der ersten Runde beste Aussichten. Allerdings kam man aufgrund eines Gutachtens, das die Eichbaum in Auftrag gegeben hatte, zu dem Schluss, dass die Grundkonstruktion der Gaststätte nicht zu erhalten sei. Das Unternehmen entschied sich für Abriss sowie Neubau und wurde daraufhin mit einer ersten Welle des Protestes konfrontiert. Mehrere Neckarauer Initiativen befürchteten, dass am Strandbad gehobene Gastronomie entstehen soll, breite Volksschichten kämen da zu kurz.

Eine neue Planung sah ebenfalls einen Abriss des bestehenden Gebäudes und das Aufstellen von Pavillons vor. Nun formierte sich eine weitere Initiative, forderte den Erhalt der Gaststätte und sammelte Unterschriften, die der Sprecher Günther Kirchner dem OB Gerhard Widder übergab.

Als Vorgabe für die erneute Ausschreibung formuliert die Verwaltung "die Erhaltung der derzeitigen Säulenkonstruktion". Ob dies unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu bewerkstelligen ist, muss sich erweisen. Mit Fody Pashalidis präsentierte Kirchner im Sommer einen erfahrenen Gastronomen (Fody's). Vor der Presse erklärte er damals, dass er versuchen wolle, das bestehende Gebäude zu erhalten und eine kostengünstige, familienfreundliche Gastronomie zu betreiben. Ob er zum Zuge kommt, muss sich erst im Laufe des Ausschreibungsverfahrens zeigen. Sicher ist nur, dass die Bewirtung am Strandbad auch im nächsten Sommer ein Provisorium bleibt. Das nun angelaufene Prozedere nimmt mehrere Monate in Anspruch. jan
 

20. 10. 2006 

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MM-Titel
Ausgabe Sued

Erfolgreicher Protest
Erfolgreicher Protest: Mehrere Initiativen setzten sich in Neckarau für die Erhaltung und Sanierung des Gaststtättengebäudes
am Strandbad ein. Obwohl es zunächst so ausgesehen hatte, dass es dennoch abgerissen wird, verbuchen die Neckarauer
nun einen Erfolg. Bild: Rittelmann

Am Strandbad werden die Karten neu gemischt
NECKARAU: Stadt schreibt die Gestaltung der Gastronomie neu aus /
Säulenkonstruktion soll erhalten bleiben
Von unserem Redaktionsmitglied Jan Cerny

Die Mitteilung des Oberbürgermeisters Gerhard Widder an mehrere Adressaten ist knapp, aber sie hat es in sich: "Die Stadt leitet daher eine Ausschreibung bezüglich der Strandbadgaststätte in die Wege, die die bekannten Eckpunkte sowie die Erhaltung der derzeitigen Säulenkonstruktion zum Inhalt haben wird." Damit wird klar, dass die Stadt einen vorläufigen Schlussstrich unter eine sich inzwischen mehrere Jahre hinziehende Debatte um die Gestaltung der Gaststätte zieht und gleichzeitig einen gänzlich neuen Anlauf zu der Sanierung des Gebäudes und des Areals nimmt.

Nicht jeder Adressat wird sich über das Schreiben freuen. Da ist einerseits die Eichbaum Brauereien AG, die im Vertrauen auf den Zuschlag einiges an Planungen investiert hat. Wie berichtet, wollte das Unternehmen zuletzt das heruntergekommene Gebäude abreißen und an dessen Stelle in der warmen Zeit Pavillons aufstellen, diese aber vor dem Winter abtransportieren, um sie dann im Frühjahr wieder aufzustellen. Und da ist die Bürgeraktion um Günther Kirchner, die eine erfolgreiche Unterschriftensammlung - nach eigenen Angaben 1500 Signaturen - für den Erhalt und die Sanierung des Gebäudes initiierte.

Doch nicht nur Kirchner und seine Sympathisanten wandten sich vehement gegen das Vorhaben der Eichbaum. Zuvor hatten sich bereits mehrere Initiativen gebildet, die sich teils einzeln, teils gemeinsam in Sachen Strandbad engagierten. Ihnen ging es vor allem darum, das Strandbad und die Bewirtung für breite Bevölkerungsschichten zu erhalten, mithin eine gehobene Gastronomie mit aufwändigen Veranstaltungen zu verhindern.

Sie stützten sich zunächst nur auf sporadische Informationen. Als dann die Eichbaum ihre detaillierten Pläne, mit denen sie die vorausgegangene Ausschreibung für sich entscheiden konnte, vorgestellt hatte, erhob sich massiver Protest. Die Brauerei wollte das heutige Gebäude abreißen und an seiner Stelle ein neues errichten. Ein Plan, mit dem sich nach Auskunft von Wolf-Martin Kögel, Leiter des Fachbereichs Liegenschaften, Stadträte und Bezirksbeiräte angefreundet hatten.

Die Initiativen wähnten dagegen eine gehobene Gastronomie mit Großveranstaltungen und mobilisierten Protest. Nach ihrer Überzeugung würde das Vorhaben nicht in die Tradition des Strandbades passen. Die Eichbaum speckte daraufhin ab. Sie berief sich auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten, wonach die bestehende Konstruktion nicht zu erhalten sei. Wenn also kein neues Gebäude gewünscht sei, so sollten künftig mobile Pavillons aufgestellt werden. Damit hat sich der Bezirksbeirat abgefunden. Erneut bildete sich eine Initiative, diesmal mit dem Ziel, das bestehende Gebäude zu erhalten.

Inzwischen nahm die Stadtverwaltung die Gutachten der Eichbaum genauer unter die Lupe und kam zu der Erkenntnis, dass die Schlussfolgerung, wonach das Gebäude abgerissen werden müsste, doch nicht überzeugend sei. Ob sich die Eichbaum erneut an einer Ausschreibung beteiligt, muss der Vorstand erst noch entscheiden. Pressesprecher Volker Dressler: "Wir haben zwei Gutachten abgegeben und gehen davon aus, dass ein Erhalt des alten Gebäudes unter wirtschaftlichen Gesichtpunkten nicht möglich ist." Und die Stadtverwaltung? Wolf-Martin-Kögel: "Wir warten nun ab, ob sich jemand findet, der die Säulenkonstruktion erhalten kann." Schon früher hat Bürgermeister Rolf Schmidt klar gestellt, dass sich die Stadt da nicht finanziell engagieren könne.

Kommentar
Die Lehre am Strand

Von Jan Cerny

Fast sah es so aus, als könnte das Strandbad im Jubiläumsjahr der Stadt im neuen Glanz erstrahlen. Nichts war es. Nachdem der Oberbürgermeister Widder die Notbremse gezogen hat, beginnt alles wieder von vorn: Ausschreibung, Bewertung, Diskussionen im Stadtteil und irgendwann die Sanierung des bestehenden Gebäudes. Mit Sicherheit dauert im kommenden Sommer das wenig repräsentative Provisorium an.

Das ist schade, und dennoch kann man der Entscheidung des OB eine positive Seite abgewinnen. Von den Plänen der Stadt, das Gelände, auf dem die Gaststätte steht, neu und langfristig zu verpachten, erfuhren die Neckarauer zunächst gerüchteweise, und auch später flossen die Informationen sporadisch. Die konkreten Planungen - da war schon die Eichbaum so gut wie am Zug - wurden erst während einer turbulenten Bezirksbeiratssitzung bekannt. Nun ist das "Mannheimer Lido" in der Bürgerschaft auf eine besonders symbolhafte Weise verhaftet, als dass man über ihren Kopf dessen Zukunft planen kann. Die Stadt hat ihre Lehre bekommen: Hier geht ohne die Einbeziehung der Bürger nichts.

 

20. 10. 2006 

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Leserbrief an den MM,
noch nicht veröffentlicht.

Ja wo toben sie denn???

Zitat MM-Süd: „Im nächsten Jahr feiert das Strandbad seinen 80. Geburtstag, derzeit tobt die kommunalpolitische Diskussion um die Zukunft des historischen Gaststätten-Gebäudes ...“

Auf der vorletzten Gemeinderatssitzung am 25. 07. 06 wurde der Eichbaum AG das Ultimatum gestellt, bis zum 1. September 06 ein tragfähiges Gutachten vorzulegen, das die Notwendigkeit eines Abrisses der ehemaligen Strandbadgaststätte nachweist.

Inzwischen ist Anfang Oktober und auf der letzten Gemeinderatssitzung war von Gutachten immer noch nichts zu hören. Leider hat aber auch keiner der Gemeinderäte nachgefragt, ob die eigenen Beschlüsse auch erfüllt werden. Statt kommunalpolitischer Diskussion bleiernes Schweigen.

Ich möchte hier an die vollmundigen Versprechen der Verantwortlichen von Eichbaum und der Stadtverwaltung beim Ortstermin des MorgenMobils am 18. 8. erinnern. Hier erklärte Herr Kögel vom Liegenschaftsamt, dass nach Ablauf des Ultimatums am 1. September wieder in die Ausschreibungsphase gegangen werden müsse.

Wo ist dieses Gutachten? Und wenn es keines gibt, wo ist diese Ausschreibung?

Ist es möglich, dass sich ein Gemeinderat von der Verwaltung und/oder einem Privatunternehmen derart auf der Nase herumtanzen lässt?

Karl-Ludwig Walzel

08. 10. 2006 

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MM-Titel
Ausgabe Sued

Als 25 000 Menschen an einem Tag hier baden gingen

NECKARAU: Im Heimatmuseum erinnert eine historische Ausstellung an die glorreichen Tage des Mannheimer Strandbades

Von unserem Redaktionsmitglied Konstantin Groß

Im nächsten Jahr feiert das Strandbad seinen 80. Geburtstag, derzeit tobt die kommunalpolitische Diskussion um die Zukunft des historischen Gaststätten-Gebäudes - aktuelle Anlässe genug für den Verein Geschichte Alt-Neckarau, sich in seiner Herbstausstellung dem traditionsreichen Mannheimer Lido zu widmen. Im Rahmen des Erntedankfestes am Wochenende wurde die Ausstellung offiziell eröffnet.

Die Ausstellungsmacher um den emsigen Hubert Güthlein haben es auch diesmal verstanden, den historischen Sachverhalt ansprechend darzustellen. Bilder und Dokumente sind geschickt und liebevoll ergänzt durch Gegenstände, die jeder aus seiner eigenen Strandbadzeit kennt und die ganz persönliche Erinnerungen wecken können. Obgleich die Ausstellung nur einen einzigen Raum zur Verfügung hat, zeichnet sie die Entwicklung der Einrichtung umfassend und instruktiv nach.

Am 29. Oktober 1925 hatte der Mannheimer Stadtrat beschlossen: "Zur Errichtung einer Strandbad-Anlage am Rhein zwischen Kilometer 249 und 250 werden 190 000 Mark bereitgestellt." Unmittelbar danach begannen die Arbeiten, die in der damaligen Weltwirtschaftskrise als Notstandsarbeiten ausgeführt wurden. Gemäß den Plänen des städtischen Bauamtmannes Enders wurde die Böschung des 800 Meter langen Ufers mit Mutterboden abgedeckt, eingesät und mit Weidebüschen bepflanzt, die flachere Böschung mit Beton befestigt. Die an jener Stelle stehenden Kopfweiden fielen der Säge zum Opfer. Im Frühjahr 1927 waren die Toilettenanlagen fertig, für Umkleideräume hatte die Stadt jedoch kein Geld. Sie sollten von einem privaten Investor erstellt werden - bereits damals Ausweg für finanzschwache Kommunen. Und in der Tat fand sich in Gestalt der legendären Frau Sutter eine Bauherrin.

Sutter erstellte eine Kombination aus Umkleidebereichen und Lokal, dessen obersten Stock sie selbst bewohnte. Im Erdgeschoss erhielt das Gebäude Garderoben für 1000 Menschen, 36 Einzelkabinen und je eine so genannte - ja, so hieß das damals - "Stoßkabine" für Männer und Frauen, in denen bei Regen jeweils 50 Personen Unterschlupf finden konnten. Im ersten OG lag das Restaurant, damals "Rheinterrasse" genannt, mit 50 Plätzen im Freien.

Am 8. August 1927 wurde das Strandbad offiziell eingeweiht. Gleich im ersten Jahr seines Bestehens sah es 139 000 Besucher, 1928 waren es alleine bis zum 1. August bereits 238 000. Der nie mehr erreichte Tageshöchststand wurde am 15. Juli 1928 verzeichnet: Damals tummelten sich 25 000 Menschen gleichzeitig am Strand, 7500 Fahrräder waren in den damals bewachten Unterständen abgestellt. Wenn heutzutage von einer Übernutzung des Strandbades gesprochen wird, mag der Blick auf die damaligen Fotos auch diese Diskussion in die angemessene Relation bringen.

Zu sehen sind auch Fotos vom Februar 1929, als der Rhein bei minus 16 Grad zufror und in Höhe des Strandbads von unzähligen Schaulustigen begangen wurde.

Zur aktuellen politischen Strandbad-Diskussion nimmt der Verein keine Stellung. Die Bilder sprechen ohnehin für sich. Meinte ein Besucher beim Betrachten eines Fotos vom Strandbad-Lokal drastisch: "Eine Frechheit, so etwas abzureißen!"

Mannheimer Morgen
06. Oktober 2006

Die Ausstellung ist bis November im Heimatmuseum Mannheim-Neckarau, Rathausstraße 3 zu sehen. Geöffnet ist das Museum jeweils montags von 17 bis 19 Uhr. Sonderführungen anmelden unter 0621/85 99 86


06. 10. 2006 

   
Fortsetzung folgt.
Anmerkung der Internetredaktion: Wer einen Leserbrief geschrieben hat, der nicht veröffentlicht worden ist: bitte an die Internetredaktion schicken, wir machen ihre Meinung öffentlich. Wer Presseartikel zu unserem Anliegen gesammelt hat, bitte uns zur Verfügung stellen, wir möchten sie hier im Pressearchiv darstellen. Auf Wunsch werden sie auch wieder zurückgeschickt. Fotos aus besseren Zeiten des Strandbades können wir auch gebrauchen.
An: SOS@strandbad-mannheim.de
oder: Lutz Walzel, Hans-Sachs-Ring 123, 68199 Mannheim, Tel.: 0621 855 902