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Flanieren erlaubt, vieles andere nicht

NAN 04.2022

NAN 04 22
Foto: Kranczoch

Strandbadsaison 2022: Bade- und Fütterungsverbot bleibt / Kontrollen angekündigt

NECKARAU. Sobald die ersten sonnigen Frühlingstage wieder viele Menschen ins Freie locken, wird auch die Strandbadsaison beginnen. „Das Strandbad ist wie Urlaub für die ganze Familie und weit über die Mannheimer Stadtgrenzen hinaus bekannt. Ein rücksichtsvolles Miteinander zum Wohle aller ist jedoch unerlässlich“, mahnt aus diesem Anlass aktuell Sportbürgermeister Ralf Eisenhauer. Denn: Die Strandbadsatzungwurde 2020 neu gefasst und soll – so das Ziel der Stadt – insbesondere die vermehrten Grillaktivitäten, die in der Vergangenheit zu hoher Rauchentwicklung, Verschmutzung und Belästigung anderer Gäste geführt hatten, eindämmen. Zur Erinnerung die Änderungen: Das Mitbringen und Nutzen eigener Grills im Strandbad ist nicht mehr zulässig und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Stattdessen ist Grillen nur noch in der ausgewiesenen „Grillzone“ an den insgesamt zwölf Stationen erlaubt, die täglich von 6 bis 22 Uhr unentgeltlich zur Verfügung stehen. Eine Anmeldung ist nicht möglich, vielmehr gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, grillt zuerst. Damit alle Grillfreunde die Gelegenheit erhalten, die stationäre Einrichtung nutzen zu können, ist es erforderlich, dass die Roste nach Beendigung des Grillvorgangs zügig freigeräumt werden. Die Grillzone ist grundsätzlich nur für die Zubereitung vorgesehen, der Verzehr der Speisen hat außerhalb der Grillzone zu erfolgen. Abfälle oder Kohlereste sind in die bereitstehenden Abfallbehälter und Ascheeimer zu entsorgen. Die Grillstationen stehen auf Betonfundamenten und sind mit Müll- und Aschebehältnissen ausgestattet. Damit soll sowohl die Brandgefahr eingedämmt als auch die Sauberkeit erhöht werden. „Durch die Beschränkung auf die Grillzone und eine entsprechende Verortung wird der Rauchentwicklung beim Grillen zukünftig entgegengewirkt“, glaubt die Stadt. Über die Einhaltung dieser und der weiteren Regeln am Strandbad soll auch in diesem Jahr städtisches Personal wachen.

Ebenso über „die Einhaltung der auch vor Ort ausgeschilderten Regelungen“, ergänzt die Stadt. Denn das Parken ist auf den vorgesehenen Parkplätzen samstags sowie an Sonn- und Feiertagen weiterhin zwischen 11 und 19 Uhr auf maximal drei Stunden begrenzt. Die ausgeschilderten absoluten Halteverbote sowie die gesetzlichen Regelungen im Bereich der Haltestellen gelten uneingeschränkt. Falschparker werden in sicherheitsrelevanten Bereichen konsequent abgeschleppt, kündigt die Stadt an und appelliert, öffentliche Verkehrsmittel zur Anfahrt zu nutzen. Der städtische Ordnungsdienst kontrolliert außerhalb des Strandbades den ruhenden Verkehr. Generell verboten ist und bleibt die Fütterung von Vögeln und Tieren. „Ein Verstoß hiergegen stellt gemäß der geltenden Strandbadsatzung eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit Bußgeld belegt werden“, mahnt der zuständige Fachbereich und appelliert an alle Besucherinnen und Besucher des Strandbades, keine Essensreste herumliegen zu lassen und vor allen Dingen die Wildgänse nicht zu füttern. Dies schade den Tieren „in den meisten Fällen, die Population wächst und verdrängt heimische Arten, Ratten und ähnliches Ungeziefer werden angelockt und die Verschmutzung der Wege und Liegewiesen durch Vogelkot nimmt stark zu“.

Ebenfalls verboten ist und bleibt das Baden am Strandbad. Das übrigens so heißt, weil es ursprünglich mal nicht nur geduldet, sondern sogar erlaubt war. Generationen von Neckarauern können sich daran noch lebhaft erinnern. Wie Prof. Dr. Jörg Schmidt. Der pensionierte Verwaltungsrichter ist dreißig Jahre lang am Strandbad geschwommen. „Seit meiner frühen Jugend und bis zum Verbot“, wie er den NAN sagte. Und er klagte am Verwaltungsgericht Karlsruhe gegen das Badeverbot am Strandbad Mannheim. Bis er jetzt die Klage zurückgezogen hat. „Die wollen es verzögern. Ist doch klar. Der Leiter des Rechtsamts, der das bearbeitet, könnte das in einer halben Stunde machen. Länger bräuchte er nicht“, hatte er damals auf die Frage, warum es so lange dauere, bis die Klage bearbeitet sei, kritisiert. „Das ist Taktik.“ Die jetzt offensichtlich gefruchtet hat. Das Baden am Strandbad bleibt also verboten. „Tja, das war eine Überraschung, dass Herr Professor Schmidt aufgegeben hat. Es scheint, das Verwaltungsgericht Karlsruhe hat sich hier um eine Entscheidung gedrückt und Formalien vorgeschoben“, vermutet Gisela Korn-Pernikas. „Wir bedauern das sehr, war doch Herr Professor Schmidt ein Jurist, der mit seinen Fachkenntnissen hier der richtige Mann war. Leider ist er nach Jahren zermürbt, in der Sache weiterzumachen“, bedauert die Vorsitzende des Mannheimer Strandbadvereins MaStra. Und sie kündigt an: „Wir möchten unbedingt weiterhin, dass das Baden im sauberen Rhein wieder möglich wird. Dazu eine Begrenzung im Wasser zur Fahrrinne der Schiffe, um mehr Sicherheit für Schwimmer einzubauen. Wir werden in unserer nächsten Mitgliederversammlung über das Thema beraten.“ nco

Klage gegen Badeverbot am Mannheimer Strandbad zurückgezogen

Mannheimer Morgen 11.03.2022

Mannheim. Jetzt ist es ihm zu blöd. Nach mehr als drei Jahren hat Jörg Schmidt, der frühere Vizepräsident des baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH), seine Klage gegen das Badeverbot am Mannheimer Strandbad zurückgezogen. „Es ging mir darum, einen von mir als rechtswidrig erkannten Zustand zu beseitigen“, schreibt er zur Begründung dem Karlsruher Verwaltungsgericht. „Dass mir bei diesem Vorhaben meine jungen Kollegen mit ausschließlich formalistischen Argumenten so viele Steine in den Weg legen, enttäuscht mich und lässt mich resignieren.“ Er habe nun schlicht keine Lust mehr, sich mit „zwar scharfsinnigen, teils aber widersprüchlichen oder sogar fast abwegigen Argumenten auseinanderzusetzen“.

„Abstruse“ Richter-Begründung

Zunächst hatte das Gericht mehr als zwei Jahre gebraucht, um eine erste Klage Schmidts für unzulässig zu erklären: Die Form sei nicht die richtige. Das nannte der einstige VGH-Vize zwar im Ergebnis vertretbar. Er hätte sich aber früher einen entsprechenden Hinweis gewünscht, um seine Klageart direkt verändern zu können. Das tat er dann vor einem Jahr. Doch jetzt teilte dem Ex-Richter der mittlerweile zuständige erstinstanzliche Kollege mit, die neue Klageform für falsch zu halten. „Mit einer abstrusen Begründung“, sagt Schmidt dem „Mannheimer Morgen“. Er sei sich nun sicher, dass jener Richter ihn abweisen werde. Und da er nicht vor habe, das Ganze an die höhere Instanz - seinen alten Arbeitsplatz in der Schubertstraße - zu tragen, lasse er es jetzt gut sein. Einen sarkastischen Hieb gibt Schmidt dem Karlsruher Verwaltungsgericht indes noch mit: Dass mit dessen tatkräftiger Unterstützung das Badeverbot als „rechtswidrig gewordene Rechtsverordnung“ jetzt weiter gelte, „entspricht nicht unbedingt meinen Vorstellungen vom effektiven verwaltungsgerichtlichen Rechtsschutz für den Bürger“.

Wasserqualität als Begründung für Verbot

Mit der Stadt streitet Schmidt seit 2015 um das Badeverbot. Die Kommune hält das Schwimmen am Strandbad nach wie vor für sehr gefährlich, vor allem wegen der Strömung und der Schiffe. Der frühere VGH-Vize verweist dagegen auf frühere Jahrzehnte ohne Badeunfälle. Zudem gehöre es nicht zu den Aufgaben des Staates, den Einzelnen an einer allenfalls ihn selbst gefährdenden Unternehmung zu hindern. Und die Wasserqualität - mit der das Verbot 1978 begründet wurde - habe sich nachweislich stark verbessert.

Von seiner Kindheit bis zum Verbot sei er selbst mehr als 30 Jahre am Strandbad geschwommen, sagt Schmidt. Heute wolle er das zwar nicht mehr. Doch würde ihn zum einen die kostenlose Badegelegenheit für die Allgemeinheit freuen. Zum anderen gehe es um sein verletztes Rechtsempfinden, weil die Stadt so stur an ihrem Verbot festhalte.

Bedauern beim Förderverein

Dass Schmidt nun seine Klage zurückgezogen hat, bedauert Gisela Korn-Pernikas, die Vorsitzende des Fördervereins Mannheimer Strandbad. „Es ist weiterhin für uns ein großes Anliegen, dass am Strandbad wieder im sauberen Wasser gebadet werden kann.“ Das könne mit einer Schutzzone zur Fahrrinne hin geschehen. Bei der nächsten Mitgliederversammlung werde man über das weitere Vorgehen beraten, kündigt Korn-Pernikas an.

Die Mannheimer Liste hat im vergangenen Jahr im Gemeinderat beantragt, das Baden im Rhein am Strandbad wieder zu erlauben. Zur Antwort erhielt sie von der Stadtverwaltung, dies falle nicht in die Zuständigkeit der Stadträte, sondern der Unteren Wasserbehörde und damit des Oberbürgermeisters. Daher sei der Antrag unzulässig. Zudem wurde auf Schmidts seinerzeit noch anhängige Klage verwiesen. Und inhaltlich ergänzt, die EU habe die Wasserqualität des Rheins zuletzt als „nicht gut“ eingestuft. Zudem sei er wie der Neckar eine „hochfrequentierte Bundeswasserstraße“. Vor dem Schwimmen in diesen beiden Flüssen warne auch die Schifffahrtsverwaltung ausdrücklich.

Strandbad: Als schwimmen noch erlaubt war

  • Das Strandbad liegt in Neckarau zwischen Waldpark und Rhein.
  • 1881 wurde das Gebiet vom Politiker und Unternehmer Carl Reiß erworben. Mit seinem Tod vermachte er es 1914 der Mannheimer Bevölkerung.
  • 1927 wurde dort das Rheinstrandbad eröffnet.
  • Ein Rekord mit rund 40 000 Badegästen sei am 21. August 1932 erreicht worden, schreibt Stadtrat Wolfgang Taubert (Mittelstand für Mannheim) auf den Internet-Seiten des 1997 gegründeten Fördervereins Mannheimer Strandbad (MASTRA).
  • 1978 wurde das Baden im Rhein wegen Schadstoffen untersagt. Das Verbot gilt auch heute noch.
  • Das Areal rund um das Strandbad und die angrenzende Reißinsel sind Naturschutzgebiete.

 

Start der Strandbadsaison 2022

aus Amtsblatt Stadt Mannheim vom 10.03.2022

Ab dem 15. März beginnt die Strandbadsaison.

Das Strandbad ist eingebettet in einer Rheinschleife südlich des Naturschutzgebietes Reißinsel im Waldpark und großzügige Liege und Spielflächen bieten Platz zum Picknicken, Lesen, Sonnenbaden, Erholen und Spielen. „Das Strandbad ist wie Urlaub für die ganze Familie und weit über die Mannheimer Stadtgrenzen hinaus bekannt. Ein rücksichtsvolles Miteinander zum Wohle aller ist jedoch unerlässlich“,erläutert Sportbürgermeister Ralf Eisenhauer.

Der für das Strandbad zuständige Fachbereich Sport und Freizeit erinnert an die geltende Strandbadsatzung, die 2020 neu gefasst wurde und insbesondere die vermehrten Grillaktivitäten, die in der Vergangenheit zu hoher Rauchentwicklung, Verschmutzung und Belästigung anderer Gäste geführt hatten, eindämmen soll.

Das Mitbringen und Nutzen eigener Grills im Strandbad ist nicht mehr zulässig und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Stattdessen ist Grillen nur noch in der ausgewiesenen „Grillzone“ an den insgesamt zwölf Stationen erlaubt, die täglich von 6 bis 22 Uhr unentgeltlich zur Verfügung stehen. Eine Anmeldung ist nicht möglich, vielmehr gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, grillt zuerst. Damit alle Grillfreunde die Gelegenheit erhalten, die stationäre Einrichtung nutzen zu können, ist es erforderlich, dass die Roste nach Beendigung des Grillvorgangs zügig freigeräumt werden. Die „Grillzone“ ist grundsätzlich nur für die Zubereitung vorgesehen, der Verzehr der Speisen hat außerhalb der „Grillzone“ zu erfolgen. Abfälle bzw. Kohlereste sind in die bereitstehenden Abfallbehälter bzw. Ascheeimer zu entsorgen.

Die Grillstationen stehen auf Betonfundamenten und sind mit Müll- und Aschebehältnissen ausgestattet. Damit wird sowohl die Brandgefahr eingedämmt als auch die Sauberkeit erhöht. Durch die Beschränkung auf die Grillzone und einer entsprechenden Verortung wird der Rauchentwicklung beim Grillen zukünftig entgegengewirkt.

Die Regeln der jeweils aktuellen Corona- Verordnung des Landes Baden-Württemberg sind zu beachten. Um ein geordnetes und möglichst störungsfreies Miteinander aller Besucherinnen und Besucher sicherzustellen, wird das Personal des Strandbads die Einhaltung der auch vor Ort ausgeschilderten Regelungen überwachen. Der städtische Ordnungsdienst kontrolliert außerhalb des Strandbads den ruhenden Verkehr. Das Parken ist auf den vorgesehenen Parkplätzen samstags sowie an Sonn- und Feiertagen zwischen 11 und 19 Uhr auf maximal drei Stunden begrenzt. Die ausgeschilderten absoluten Halteverbote sowie die gesetzlichen Regelungen im Bereich der Haltestellen gelten uneingeschränkt. Falschparker werden in sicherheitsrelevanten Bereichen konsequent abgeschleppt. Die Stadt appelliert daran, öffentliche Verkehrsmittel zur Anfahrt zu nutzen. Zudem gilt ein Fütterungsverbot für Vögel und Tiere. Ein Verstoß hiergegen stellt gemäß der geltenden Strandbadsatzung eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit Bußgeld belegt werden. Es wird an alle Besucherinnen und Besucher appelliert, keine Essensreste herumliegen zu lassen und vor allen Dingen die Wildgänse nicht zu füttern. Dies schadet den Tieren in den meisten Fällen, die Population wächst und verdrängt heimische Arten, Ratten und ähnliches Ungeziefer werden angelockt und die Verschmutzung der Wege und Liegewiesen durch Vogelkot nimmt stark zu.

Weitere Informationen:

www.mannheim.de/strandbad

Jahresbrief 2021

gute zukunft


Jahresbrief 2021

Liebe Mitglieder, liebe Strandbadfreunde*innen

wir blicken erneut auf ein Jahr zurück, in dem uns der Virus Corona einiges abgefordert hat. Wir hoffen, alle sind bei guter Gesundheit und können schöne Festtage mit Ihren lieben Menschen feiern.

Das Jahr war am Strandbad mit einigen Einschränkungen verbunden. Zweimal lange Hochwasser. Das Winterhochwasser war für viele auch ein schönes Ereignis. Schlittschuh laufen auf der zugefrorenen Wiese, richtige Winterlandschaft. Das gab es lange nicht mehr.

Das zweite Hochwasser dann war nur ärgerlich. Frühjahr und endlich raus, da steht der Lido unter Wasser. Das Bistro Oro hat es wieder schlimm getroffen. Ist jetzt aber umso schöner wieder vom Pächter hergerichtet worden. Hoffen wir, dass das marode Gebäude noch lange den Fluten und anderem gefährdendem  Unbill standhält.

Trotz viel Nass dieses Jahr konnten wir es wieder genießen am Strand, der Wiese oder den Bänken zu sitzen/liegen, spazieren zu gehen auf der Promenade. Der Regen hat der Natur sehr gut getan und auch bei schlechtem Wetter hat das Strandbad seinen Reiz.

Die neue Strandbadordnung hat sich bewährt. An den Grills gute Stimmung unter den Leuten. Weniger Rauchschwaden im Eingangsbereich kommt gut. Naja, einige Hundebesuche und mitgenommene Fahrräder klappt noch nicht wirklich gut in unserem Naturidyll.

Im Juli konnte endlich eine Mitgliederversammlung stattfinden und die Wahl des Vorstandes. Neue Vorstände wurden: Jürgen Wallenwein (stellvertretender Vorstand/Schriftführer) und Daniele Schild (Kassiererin). Wir danken den „alten“ Vorständen für ihre Arbeit; sie bleiben uns im Verein erhalten.

 

Der Vorstand MASTRA e.V .wünscht allen MASTRA Mitgliedern schöne Festzeit und ein gutes Neues Jahr in Gesundheit und Zufriedenheit. 

Herzliche Grüße vom Vorstand:
Gisela Korn-Pernikas, Jürgen Wallenwein und Daniele Schild

 

Streit um Badeverbot am Strandbad: Stadt Mannheim braucht noch Zeit

Fristverlängerung beim Verwaltungsgericht erwirkt

Justiz

Mannheim. Jörg Schmidt ärgert sich. Er versucht seit langem, vor dem Karlsruher Verwaltungsgericht das Badeverbot im Rhein am Mannheimer Strandbad zu kippen. Nun hat die Stadt zur Erwiderung auf seine Klage eine achtwöchige Fristverlängerung erwirkt. Das sei „ein Armutszeugnis“, kritisiert der frühere SPD-Stadtrat und Vizepräsident des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Baden-Württemberg. „Die Auseinandersetzung um das Badeverbot schleppt sich schon seit sechs Jahren dahin.“ Alle Argumente seien längst ausgetauscht und hätten sich nicht verändert.

Stark verkürzt: Die Stadt nennt das Schwimmen am Strandbad nach wie vor sehr gefährlich, vor allem wegen der Strömung und der Schiffe. Schmidt verweist dagegen auf frühere Jahrzehnte ohne Unfälle. Und die Wasserqualität - mit der das Verbot 1978 begründet wurde - habe sich nachweislich stark verbessert. Zudem erinnert der frühere VGH-Vize an das Recht zur Selbstgefährdung: Es gehöre nicht zu den Aufgaben des Staates, „den Einzelnen an einer ausschließlich ihn selbst gefährdenden Unternehmung zu hindern“.

Auch Antrag im Gemeinderat

Als Grund für die erwirkte Fristverlängerung teilt die Stadt dem „MM“ mit, man wolle Schmidts „Behauptungen“ mit neuen Stellungnahmen von Feuerwehr und DLRG kontern. Auf die Frage, ob es denn neue Erkenntnisse über die Gefahren des Badens im Rhein gebe, lautet die Antwort schlicht: „Nein.“ Zeit gehe indes keine verloren, wegen der hohen Belastung der Verwaltungsgerichte werde in der Sache ohnehin „frühestens 2022“ terminiert und entschieden. Schmidt hat in seiner Klage jedoch auf eine mündliche Verhandlung verzichtet, damit es schneller geht - und weil ja alle Argumente sattsam bekannt seien.

Das Badeverbot soll nun auch Thema im Gemeinderat werden, die Mannheimer Liste hat eine Aufhebung beantragt. Zur Begründung wird ebenfalls in erster Linie auf die deutlich höhere Wasserqualität verwiesen. Die Menschen könnten nicht nachvollziehen, warum etwa in Brühl und Lampertheim das Schwimmen im Rhein erlaubt, hier jedoch untersagt sei, so der Fraktionsvorsitzende Achim Weizel.

Mannheimer Morgen - Steffen Mack

Ex-VGH-Vize klagt gegen Badeverbot am Mannheimer Strandbad

p 0004Mannheimer Morgen 19.05.2021

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein ehemaliger Stadtrat die Stadt verklagt. Noch dazu ein früherer der SPD, die ja traditionell der Stadtspitze eher nicht mit konfrontativer Schärfe begegnet. Das tut auch Jörg Schmidt nicht, obwohl er aus der Partei schon vor Jahren ausgetreten ist. Dass er gegen die von seinem Ex-Genossen Peter Kurz geführte Verwaltung juristisch zu Felde zieht, hat einen einfachen Grund: Schmidt ist diese Sache wichtig. Er will wieder dürfen, was er schon als Kind und bis zum 1978 verhängten Verbot sehr gern tat – im Strandbad im Rhein schwimmen. Nicht aktuell, die Badesaison steht ja auch unter starkem Corona-Vorbehalt. Es geht hier vielmehr um eine Grundsatzfrage.

In rechtlichen Dingen kennt sich Schmidt ziemlich gut aus. Noch sehr viel mehr Zeit als im Mannheimer Gemeinderat (da saß er von 2004 bis 2009) verbrachte er wenige Kilometer weiter am baden-württembergischen Verwaltungsgerichtshof. In dem arbeitete er rund 35 Jahre, die letzten sechs vor seiner Pensionierung 2001 als Vizepräsident.

 

Kaum noch Schadstoffe

Nun muss Schmidt indes erleben, dass es in den erstinstanzlichen Niederungen schleppender verläuft als von ihm gewohnt. Das Karlsruher Verwaltungsgericht hat nach mehr als zwei Jahren seine Klage aus rein formalen Gründen abgewiesen: Er habe die falsche Form gewählt. „Im Ergebnis halte ich das zwar für vertretbar“, sagt Schmidt. Er hätte sich aber früher einen entsprechenden Hinweis des Gerichts gewünscht, dann hätte er die Klageart direkt verändern können. Das hat er nun nachgeholt. Um Zeit zu sparen, will er keine mündliche Verhandlung. „Ich habe keine Lust, vor den jungen Kollegen aufzutreten“, begründet der Jurist seinen Verzicht. „Im Übrigen ist der Fall nicht mehr erörterungswürdig. Alles, was gesagt werden könnte, ist geschrieben.“

In der Tat stehen die Positionen beider Seiten sehr deutlich in den Akten. Die Stadt begründete ihr Badeverbot 1978 mit gesundheitsgefährdenden Schadstoffen im Rhein. 2016 und 2017 ergaben dann Laboranalysen, die der Förderverein Mannheimer Strandbad in Auftrag gegeben hatte, eine deutlich verbesserte Wasserqualität. Baden wäre demnach dort nicht mehr schädlich.

Anträge auf eine Aufhebung des Verbots wies die Verwaltung jedoch zurück. Sie argumentiert zum einen, weil es etwa durch Industrieunfälle immer wieder zu Schadstoff-Belastungen kommen könne, sei im Rhein nicht von einer durchgängig verlässlichen Wasserqualität auszugehen. Zum anderen wird auf gefährliche Strömungen verwiesen, die es an jener Stelle gebe, sowie auf den starken Schiffsverkehr. Als Beleg werden auch Stellungnahmen von DLRG- und Feuerwehr-Experten angeführt, die sich ebenfalls für die Beibehaltung des Badeverbots aussprechen.

Recht auf Selbstgefährdung

Diese Argumente lässt Schmidt nicht gelten: „In den Jahrzehnten des Betriebs des Strandbads mit Millionen Schwimmern hatte sich niemals ein durch Strömung oder Schifffahrtsbetrieb verursachter Unfall ergeben.“ Wieso sich daran etwas geändert haben sollte, sei nicht ersichtlich. Auch der Verweis auf theoretisch mögliche Schadstoffunfälle überzeuge nicht. Sollte sich tatsächlich einer ereignen, könne man mit einem vorübergehenden Verbot reagieren. Es gehe auch nicht darum, an jener Stelle einen organisierten Badebetrieb einzurichten. Den Menschen solle lediglich erlaubt werden, dort individuell im Rhein zu schwimmen. Der frühere Vizepräsident des Verwaltungsgerichtshofs erinnert an das juristisch anerkannte Recht zur Selbstgefährdung: Es gehöre nicht zu den Aufgaben des Staates, „den Einzelnen an einer ausschließlich ihn selbst gefährdenden Unternehmung zu hindern“.

Wann mit einer Entscheidung über die Klage zu rechnen ist, kann ein Sprecher des Verwaltungsgerichts noch nicht abschätzen. Wird Schmidt bei einer Abweisung die zweite Instanz – also seine Ex-Arbeitsstätte in der Schubertstraße – einschalten? Dazu habe er keine Lust, meint er. Zumal die richtige Formulierung des entsprechenden Rechtsmittels recht kompliziert sei.

Sein Verhältnis zum obersten Stadtvertreter jedenfalls hat durch die Klage nach Schmidts Eindruck nicht gelitten. Mit Peter Kurz sei er nach wie vor in engem Kontakt. Ihm gegenüber habe der Oberbürgermeister „auch ein gewisses Verständnis artikuliert“. Offiziell müsse Kurz da aber nun mal die Linie seiner Verwaltung vertreten.

Bis zu 40 000 Badegäste

Das Gebiet rund um das Strandbad wurde der Mannheimer Bevölkerung vom Politiker und Unternehmer Carl Reiß (1843-1914) vermacht.

1927 wurde dann das Rheinstrandbad eröffnet.

Am 21. August 1932 sei mit rund 40 000 Besuchern ein Rekord erreicht worden, schreibt Stadtrat Wolfgang Taubert (Mittelstand für Mannheim) auf den Internet-Seiten des 1997 gegründeten Fördervereins MASTRA.

1978 wurde das Baden wegen Schadstoffen im Rhein verboten. sma

Steffen Mack © 

Steffen Mack Redaktion Steffen Mack schreibt als Reporter über Mannheimer Themen

Menschliche Nähe trotz Abstand

Spaziergänge mit Beschränkungen am Strandbad und im Waldpark

22052020 MaMoIm Bistro Oro am Strandbad gibt es Pizza und Kaffee to go:

Jürgen Wallenwein (v.l.) und Gisela Pernikas reihen sich in die Schlange der Wartenden ein.

Der Rhein fließt träge dahin. Möwen ziehen kreischend ihre Runden, Schwäne, Gänse und Enten dösen faul in der Sonne. Nur selten tuckert ein Frachtschiff über die Wasserstraße. Kastanien entfalten am Rheinuferufer ihre Blütenpracht. Wer spazieren geht, genießt die Ruhe und die Natur. Dennoch ist einiges am Rheinufer anders als sonst. Trotz Corona-Pandemie sind unzählige Menschen im Strandbad und auch im Waldpark unterwegs. Es wird weitgehend versucht, Abstand zu halten. Nur Radler und Jogger zeigen sich bisweilen rücksichtlos.

Am 1. März begann die Saison im Strandbad. Ab da galt die neue Strandbadordnung. Das heißt, kein Zugang für Hunde und Radfahrer. „Doch die Hinweisschilder sind unglücklich, nämlich viel zu hoch angebracht“, bedauerte Gisela Pernikas von MASTRA e.V. Der Förderverein Mannheimer Strandbad setzt sich seit 1997 mit vielfältigen Aktivitäten für das Wohl des Strandbades ein. Auf Hinweis der städtischen Aufsichtsperson hätten Nutzer erwidert, das hätten sie nicht gelesen. Sie habe deshalb gleich an die Verwaltung geschrieben, dass das Anbringen der Schilder in Höhe der Baumkronen unglücklich sei. Auch über das neue Grillverfahren werde leider nur über Internet informiert, so Pernikas.

„Immer gut besucht“

Ab Mitte März war dann Schluss mit lustig. „Wegen Corona war alles zu, die Eingänge zum Strandbad mit Gittern verrammelt und das gesamte Gebiet mit rot-weißem Band abgesperrt“, berichtete Pernikas Mitstreiter Jürgen Wallenwein. Seit den Corona-Lockerungen ist das Strandbad nun wieder für Besucher geöffnet. „Seitdem ist das Strandbad immer gut besucht, aber übersichtlich und mit Abständen“, sagte Pernikas.

Doch für Grünflächen und Parks in der Stadt gebe es besondere Auflagen (wir berichteten). Laut Schild am Eingang gelten im Strandbad „erweiterte Abstandsregeln von acht Metern zu anderen Personen und Gruppen“. „Das macht niemand“, stellte Pernikas fest. Sie möchte den Grund wissen, wieso die Regeln hier anders sein müssen. Die Nutzer lägen hier auch sonst eigentlich nicht sehr dicht – abgesehen natürlich von Familienverbänden. „Insgesamt läuft es hier gut – acht Meter Abstand nicht, aber zwei bis drei Meter schon“, so Pernikas. Zwei bis dreimal am Tag werde das Einhalten der Regeln hier von der Polizei kontrolliert.

Das Leben in Corona-Zeiten ist weitgehend entschleunigt. Paare schlendern am Rhein entlang, viele gehen auch im nahen Waldpark spazieren – alleine, zu zweit oder Familien. Tempo gibt es nur durch Radfahrer und Jogger. Mit hoher Geschwindigkeit fahren Radler Slalom um Mütter mit Kinderwagen und rauschen nah an ihnen vorbei. Viele Spaziergänger erschrecken sich und schimpfen den Radlern laut hinterher. Penetrant nahe fahren vor allem die, die mit Rennrädern unterwegs sind. Einige treten alleine in die Pedale, aber auch Gruppen von bis zu zehn Radlern heizen zwischen Besuchergruppen durch.

Sie schnaufen dabei genauso wie Jogger. Auch sie halten kaum Abstand, tragen keine Masken vor Nase und Mund. „Der Weg hier im Waldpark ist nicht breit genug für alle“, schimpft eine junge Mutter, die mit ihren beiden Söhnen unterwegs ist. „Warum weichen die nicht einfach aus oder bremsen?“, fragt sie sichtlich genervt. „Ich habe doch hinten keine Augen.“ Wieder rasen drei Radler direkt an der Familie vorbei. Die Mutter ist es, die den Weg verlässt und auf die nahen Rheinwiesen ausweicht. „Das ist mir zu gefährlich. Auch wegen der Ansteckungsgefahr für meine Kinder und mich.“

Eigentlich will sie nur Vitamin D in der Sonne tanken, die Natur genießen und aufs Wasser des Rheins gucken. „Das ist schwer. Dauernd muss man aufpassen“, seufzt sie.

Silvia Osthues

 

Strandbad wieder offen für Besucher

Liebe Strandbadfreunde,

da wir alle konsequent gewesen sind, dürfen wir das Strandbad nun wieder besuchen.

Allerdings auch jetzt noch unter Auflagen, die aus Rücksicht auf alle Besucher bitte auch eingehalten werden.

Die wichtigsten sind:
- Grillverbot an Strandbad
- Abstandsregelungen von mindestens 8 Metern auf allen öffentlichen Grünflächen im Stadtgebiet
- Begrenzung der zulässigen Höchstzahl von Kindern auf Spielplätzen auf maximal ein Kind pro 10 Quadratmeter Fläche

Außerdem habt bitte Verständnis dafür, dass die Restaurants noch nicht öffnen dürfen - evtl. ist mit Vorbestellung eine Abholung möglich.

Strandbadsaison beginnt - neue Regelungen beginnen auch!

Liebe Strandbadfreunde,

endlich beginnt die ersehnte neue Strandbadsaison, auf die wir uns alle so gefreut haben - endlich wieder Sonne genießen, den Strand, Luft und die erwachende Natur.

Die neue Saison bringt auch neue Regeln mit sich, die ab dem 15.03.2020 nun gelten auf die wir hinweisen wollen - siehe den Auszug aus dem Amtsblatt der Stadt Mannheim unten!

Leider wird auch Corona Einschränkungen am Strandbad nach sich ziehen - wir bitten die entsprechenden Aushänge vor Ort zu breücksichtigen und vor allem auch ernst zu nehmen!

Allen Besuchern und Freunden des Strandbads wünschen wir eine erholsame Zeit!

Amtsblatt der Stadt Mannheim 12. März 2020

Strandbad Mannheim

Mit geänderter Satzung und neuen Grillregeln in die Saison 2020

Die neue Strandbad-Saison steht vor der Tür und es ist eine Neuerung deutlich zu erkennen. Die Stadt Mannheim installiert zwölfstationäre Grills auf der Wiese an der Promenade in einer neu definierten „Grillzone“. Zudem wurde die Satzung über die Benutzung des Strandbades der Stadt Mannheim vom 30. März 2010 überarbeitet und um Regelungen zum Grillen erweitert. Nach Beschluss des Gemeinderates gilt nun ab dem15. März 2020 die geänderte Strandbadsatzung. In den zurückliegenden Jahren hat insbesondere die Grillwiese am Strandbad eine überregionale Anziehungskraft entwickelt. Dies führte dazu, dass vor allem an Wochenenden und bei warmen Temperaturen bereits am frühen Morgen viele Besucherinnen und Besucher, teilweise in großer Gruppenstärke, aus der ganzen Metropolregion anreisten, um dort zu grillen und den Tag zu verbringen. Einher ging dieser Besuch meist mit verstärktem Aufkommen mobiler Grills und entsprechender Rauchentwicklung sowie Belästigung sowie regelmäßiger Verschmutzung der ganzen Anlage. Aufgrund immer wiederkehrender Beschwerden und Konflikte sowie Auswirkungen auf die Parksituation und andere Nutzergruppen sah sich die Stadt Mannheim veranlasst, eine Neuordnung der Grillwiese vorzunehmen, um auch künftig allen Besuchergruppen am Strandbad einen erholsamen Aufenthalt zu ermöglichen. In Zukunft darf Grillgut nur noch an den festen Grillstationen zubereitet werden. Der Verzehr erfolgt außerhalb dieser Grillzone. Die neuen Grillstationen stehen den Besucherinnen und Besuchern des Strandbades von 6 bis 22 Uhr täglich unentgeltlich zur Verfügung. Wer zuerst kommt, grillt zuerst. Eine Reservierung der Grills ist nicht möglich. Um sicher zu stellen, dass alle die Gelegenheit erhalten, die stationären Grills nutzen zu können, ist es erforderlich, dass die Grills nach Beendigung des Grillvorgangszügig freigeräumt werden. Um ein geordnetes und möglichst störungsfreies Miteinander aller Besucherinnen und Besucher des Strandbades auch nach der geänderten Strandbadsatzung sicher zu stellen, werden das Personal des Strandbades und unterstützend Mitarbeitende des städtischen Ordnungsdienstes die Einhaltung der auch vor Ort ausgeschilderten Regelungen über-wachen. Wer zum Beispiel zukünftig auf der Wiese mit einem mitgebrachten, eigenen Grill erwischt wird, begeht eine Ordnungs-widrigkeit und riskiert ein entsprechendes Bußgeld. Die Grillstationen stehen auf Betonfundamenten und sind mit Müll- und Aschebehältnissen ausgestattet. Damit wird sowohl die Brandgefahr eingedämmt als auch die Sauberkeit erhöht. Durch die Beschränkung der nutzbaren Grills auf die zwölf stationären Grills der Grillzone und einer entsprechenden Verortung wird der Rauchentwicklung beim Grillen zukünftig entgegengewirkt. Da jetzt auch keine mobilen Grills, einschließlich Einweggrills, mehr erlaubt sind, ist der Rasen im Strandbad zudem besser vor Brandschäden geschützt und der Pflegeaufwand für die Grünfläche wird erheblich reduziert. Der überwiegende Teil der Liegewiese kann damit wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zur Verfügung stehen. Nochmals hinweisen möchte der Fachbereich Sport und Freizeit zudem auf das auch in die geänderte Strandbadsatzung aufgenommene Fütterungsverbot für Vögel und Tiere. Ein Verstoß hiergegen stellt zukünftig eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem Bußgeld belegt. Der Fachbereich appelliert an alle Besucherinnen und Besucher des Strandbads, keine Essensreste herumliegen zu lassen und vor allen Dingen die Wildgänse nicht zu füttern. Das Futter ist in den wenigsten Fällen gesund für die Tiere. Brot zum Beispiel enthält für Vögel zu viel Salz, das im Vogelmagen aufquillt. Durch das üppige Nahrungsangebot wächst die Population vor allem von solchen Arten, die heimische Arten verdrängen. Es werden nicht nur Ratten angelockt, sondern auch die Verschmutzung der Wege und Liegewiesen durch Vogelkot nimmt stark zu.

.|ps Weitere Informationen

gibt es unter www.mannheim.de/strandbadoder beim Fachbereich Sport und Freizeitüber das Service-Telefon unter 293-4004oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

„Das will hier niemand sofort abreißen“

1579079 2 gallerydetaillandscape img 04405054                          Ein Bauwerk mit doppelter Nutzung: Der Gebäudekomplex am Strandbad beherbergt einen Infrastrukturbereich
                          des Campingplatzes (links) und das Bistro Oro (rechts). © Rittelmann

Die einen befürchten, dass der Komplex demnächst einstürzt, die anderen haben Angst, dass ein Neubau Charme und Flair des Areals verschandeln könnte: Keine Frage, das Infrastrukturgebäude des Campingplatzes inklusive des Bistros am Strandbad sind baufällig. Der Neckarauer SPD-Stadtrat Bernhard Boll hat sich deshalb bei den jüngsten Etatberatungen für die Finanzierung einer Studie stark gemacht, die sich mit Plänen zur Sanierung oder Neugestaltung des Areals befasst. Dieser Antrag fand jetzt bei den Etatberatungen 2020/21 im Umfang von 100 000 Euro eine Mehrheit.

Und was geschieht nun in diesem Jahr mit dem Komplex? Muss er der Abrissbirne weichen? „Nein“, versichert Stadtrat Boll, „niemand will das Gebäude jetzt und sofort abreißen“. Er weist vielmehr darauf hin, „dass sich das Gebäude seit Jahren in einem derart schlechtem Zustand befindet, dass nur über regelmäßige statische Überprüfungen und bauliche Ertüchtigungen eine Aufrechterhaltung des Campingplatz- und Bistrobetriebs sichergestellt werden kann“. Es sei absehbar, dass die Gebäudesubstanz nicht dauerhaft erhalten werden könne und eine Grund-Renovierung unwirtschaftlich sei. Doch eines Tages falle der Komplex vielleicht von heute auf morgen zusammen: „Kein Mensch weiß, wann das passieren könnte.“

Deshalb sei zumindest eine Vorplanung, samt Einholen von Architekten-Meinungen und Entwürfen wichtig. „Wenigstens eine vorbereitende Konzeptstudie für den Neubau eines gestelzten Gebäudes ist dringend notwendig“, betont Boll. Allein für diese Vorplanungskosten seien die 100 000 Euro gedacht. „Da ist dann noch nichts in Stein gemeißelt. Ich möchte ja nur, dass die Kommune auf alle Eventualitäten und jeglichen plötzlichen Handlungsdruck vorbereitet ist.“ Sich um die Weiterentwicklung des Strandbads zu kümmern, sei übrigens auch eines seiner Wahlversprechen gewesen – und das wolle er jetzt einlösen.

Jedenfalls, so Boll, freue sich der SPD-Ortsverein Neckarau-Almenhof-Niederfeld sehr, dass es im Gemeinderat gelungen sei, eine wichtige Entscheidung für die Weiterentwicklung des Strandbades als Naherholungsgebiet zu treffen. Denn ein Ganzjahresbetrieb sei derzeit nicht möglich. Doch das Bistro Oro im nördlichen Teil des Strandbads erfreue sich außergewöhnlicher Beliebtheit. Um so dringlicher sei es, dass Bewegung in die Bau- oder Sanierungspläne käme.

Standfestigkeit wird überprüft

Dass sich „endlich etwas tut“, begrüßt auch die Vorsitzende des Fördervereins Mannheimer Strandbad (MASTRA) Gisela Korn-Pernikas. Dennoch fürchtet sie, dass ein Neubau auf Stelzen das familiäre Flair des Freizeitareals zerstöre. Ihr Vorschlag: „Der marode Teil kann abgerissen werden. Und als einfache Lösung könnten zwei Duschen und Toiletten für die Campingfreunde errichtet werden.“ Der sanierungsbedürftige Zustand des Gebäudes bereitet den MASTRA-Mitgliedern, wie bereits mehrfach berichtet, seit vielen Jahren Kopfzerbrechen. Einmal im Jahr, so berichtet Oro-Chef Alben Metaj, schaue ein Statiker der Stadt vorbei und städtische Bedienstete würden monatlich die Standfestigkeit des Bauwerkes überprüfen. Ihm hat der Campingverein 2010 den Raum für das Bistro auf städtischem Gelände untervermietet. Und auch Metaj begrüßt es, „dass sich endlich irgendetwas in der Sache bewegt“. Schließlich müsse man für den Fall gewappnet sein, dass der Komplex eventuell ganz plötzlich wegen Baufälligkeit geschlossen werden muss. 30 bis 35 000 Euro investiere er jährlich in den Erhalt des Anwesens. Und dies ohne städtischen Zuschuss oder Unterstützung des Campingvereins.

Inzwischen hat der Gastronom mit seiner Familie auch das Vereinslokal des Tennisclubs Rot-Weiß Waldpark am Kiesteichweg übernommen. Es trägt ebenfalls den Namen Oro und ist nach einer kleinen Ferienzeit ab 28. Januar wieder für alle seine Gäste geöffnet.

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 08.01.2020

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